Fremdenzimmer (2014)

Ebnat Kappel, Hotel Arthur

Rauminstallation anlässlich des Hotel Arthur, Kunst im Toggenburg: «fremd kam ich und fremd gehe ich»

Der Kunstverein «Arthur» beschäftigt sich im Sommer 2014 mit dem Tourismus – visionär und nostalgisch, vor allem aber künstlerisch. Er konnte dazu das Hotel-Restaurant Post, das kurz vor dem Abriss stand, ein letztes Mal mit Leben füllen. Ostschweizer Kunstschaffende hatten die leerstehenden Zimmer zu Kunstobjekten umgestaltet und sich dabei vom Thema Tourismus inspirieren lassen. Die Räume konnten für Übernachtungen gemietet werden und standen tagsüber zur freien Besichtigung und für geführte Rundgänge offen.

1 Titel an Zimmertür, 1 Spion an Zimmertür mit Guckkasten, 2 Hörbohrungen an Zimmerwand, 3 Spione an Zimmerwand, 3 Zelte, 3 Glühlampen, 3 Stück Linoelumboden, 1 Audioabspielgerät, 6 Schlafsäcke und Matten

Durch die Spione entdeckt der Besucher unterschiedliche Einblicke in das Fremdenzimmer. Ein Spion zeigt ein konventionell eingerichtetes Hotelzimmer, durch einen anderen Spion sieht man in einen Zeltinnenraum, durch einen anderen den Zeltvorraum, ein Spion gibt den Blick über die Zeltdächer frei. Durch die Wandbohrungen hört man Audiofetzen aus dem Zimmer. Was befindet sich real hinter der Türe?

Erst wenn ein Besucher das Hotelzimmer bucht, kann er das Rätsel lüften. Im Zimmer des Hotel Arthur sind drei Zelte installiert. Die Zeltboden sind dem Zimmerboden gleich, die Zelte werden durch drei Lampen von der Zimmerdecke beleuchtet und können über den Lichtschalter ein -und ausgeschaltet werde. Das Zimmer bietet sechs Schlafplätze.

Das Verschieben der Wahrnehmungsgewohnheiten öffnet den Blick für das Fremde und Unbekannte. Der Raum im Raum fragt nach dem Raum in seiner Funktion. Raum bietet Schutz, Privates kann vom Öffentlichen getrennt werden. Ein Hotelzimmer wird zum Zuhause in der Fremde, bildet Schutz auf Reisen. Durch die Spione wird der Schutz teilweise aufgehoben.

Der fragile Raum im gebauten öffnet die Frage nach dem nomadischen oder sesshaften Raum. Die Fenster sind ausgehängt , die Fensterläden geschlossen. Der Übergang interessiert. Wie fest lassen wir uns nieder, wann wo und wie lange. Welche Spuren hinterlassen wir, wie verweben sich die Räume. Der Linoleum im Zelt und die Glühlampen von der Zimmerdecken sind sichtbare Teile diese sich verweben von verschiedenen Räumen.

Drei Zelte, sechs Schlafplätze in einem Zimmer. Wie viel Raum nehmen wir ein? Was braucht es damit ich mich wohl fühle? Der Hotelgast, der im Zimmer schläft kann durch die Spione  beobachtet werden nur in seinem Zelt ist er geschützt.

Ebnat Kappel, Hotel Arthur

Installation: Karin Bucher

Presse:

Tagblatt Online – Nahtoderfahrung vor dem Abbruch 

Hotel Arthur-Flyer