Hotel Konrad (2000)

Zürich, Bühne HGKZ

Eine bespielte und begehbare Rauminstallation nach dem Text «seit ich weiss» von Konrad Bayer

seit ich weiss (1958 Konrad Bayer)

seit ich weiss, dass alles meine erfindung ist, vermeide ich es, mit meinen freunden zu sprechen. es wäre albern. allerdings hüte ich mich, ihnen zu sagen, dass ich sie erfunden habe, weil sie schrecklich eingebildet sind und glauben, dass sie mich erfunden haben. es würde ihre eitelkeit verletzen. ich staune über die eitelkeit und die überheblichkeit meiner erfindungen. gestern wollte jemand unter dem hinweis, dass er mir geld geliehen habe, eine grössere summe kassieren. ich versuchte, ihm die sache vorsichtig zu erklären, aber er verstand garnichts, und ich erfand, dass er sich auf mich stürzen wollte, weil ich in meinen erfindungen streng logisch vorgehe. ich schlug ihm die türe vor der nase zu und erfand mir einen nachmittag mit sonne. es war sehr schön, aber langweilig. deshalb liess ich es 23 uhr werden, las ein buch und legte mich zu bett. ich habe den heutigen tag erfunden und bin sehr froh darüber. auch mit der erfindung der musik bin ich sehr zufrieden.

Konrad Bayers Text enthält philosophische, surreale, wirre, sowie autobiographische Komponenten. Themen wie Grössenwahn, Macht, Manipulation, Kontrolle, Egozentrik, Einsamkeit, Irrealität, Spiellust und Tagtraum prägen den Charakter der Räume und Bewohner dieses «Hotels». Im Foyer erhält der Gast für seinen Mantel eine Zimmernummer. Während der fiktiven Liftfahrt erfährt er die Kurzbiografie des Gastes Konrad Bayer, bevor er sich eigenhändig durchs Hotel bewegt, vorbei an bewohnten Gästezimmern mit transparenten Wänden, bewohnt von Konrad Bayer`s verschiedenen Ichs.

Zürich, Bühne HGKZ

Konzept und Realisation: Karin Bucher und Rebekka Reich

in Gemeinschaftsproduktion mix dem Nachdiplomstudium Szenografie